• 17.08.2010

Herrlicher Morgen, ich verabschiede mich von Robert, Chris und Carlos.

Das FelixUnite in Nordoever ist ein angenehmer Ort für Overlander, super nette Leute, tolle Infrastruktur und ein herrlicher Blick auf den Oranje. Nach etwa 5km gibt es Frühstück für die Dicke, das letzte Mal Sprit aus Namibia.

Wir ernten wieder ungläubige Blicke vom Tankwart, er kann sich einfach nicht vorstellen, dass man mit der Dicken den Weg von Hamburg nach Kapstadt wagt. Inzwischen frage ich mich manchmal selbst, ob ich tatsächlich schon so weit gekommen bin.

Es gibt Momente, da habe ich das Gefühl erst gestern losgefahren zu sein.

Die Grenzformalitäten auf namibischer Seite sind schnell erledigt. In Südafrika angekommen geht zuerst auch Alles schnell und normal. Nur der Zöllner am letzten Checkpoint will unbedingt einen „weißen Zettel“ von mir haben, den ich aber vom Kollegen vorher nicht bekommen habe.

Wir fangen an uns über das Motorrad, seine Familie und meine Reise zu unterhalten, inkl. Ungläubigen Blick. Inzwischen sind schon parallel 3 Autos passiert, natürlich hatten die einen solchen „weißen Zettel“.

Ich frage ihn wo ich einen solchen „weißen Zettel“ herbekomme…“bräuchte ich nicht mehr“ sagt er, „god bless you, have a nice stay in south africa.“

Es ist noch früh, als wir uns die ersten Anstiege nach Südafrika hocharbeiten. Inzwischen schnauft die Dicke bei steileren Passagen doch ganz schön, wir kommen an manchen Stellen über die Topspeed von 40 km/h nicht hinaus.

Ist aber auch nicht wichtig.

Es sind noch 5 Tage Zeit bis nach Kapstadt zu kommen, inkl. dem geplanten Abstecher über „Paternoster“ und „Blouberg Strand“. Die Landschaft hier im Nordosten ist sehr karg. Gelegentlich kommt mal eine Abzweigung, die meistens zu einer Bergbaumine führt und sich irgendwo als Schotterpiste am Horizont von den Bergen verschlingen lässt, Wildnis pur.

Es wird merklich frischer, wir klettern stetig bergauf, werden immer wieder von LKW-Fahrer begrüßt und kurz vor Steinkopf macht die Dicke plötzlich komische Geräusche und läuft sehr unrund.

Zeit für eine Pause für die Dicke und für mich. Wir steuern linker Hand eine kleine Tankstelle an, die Dicke darf abkühlen und ich gönne mir ein Eis und eine kühle Cola. Nach 20 Minuten geht es wieder weiter, die Dicke startet beim ersten Kick, geht doch.

Unser nächstes Ziel ist Springbok, eventuell auch schon das Ende der heutigen Etappe. Zumindest will ich versuchen den „Motorradladen“ eines Bekannten von Chris & Robert zu treffen. Die Kette der Dicken ist inzwischen viel zu lang, da muss mindestens einen Kettenglied raus.

Mit etwas Gefälle und Rückenwind geht es gen Springbok, jedoch wird das Wetter jetzt spürbar schlechter. Die Wolkendecke ist inzwischen dichter und vereinzelt stehen die ersten Regenwolken spalier.

Springbok selbst ist eine unspektakuläre Stadt und schmiegt sich in ein größere Tal. Soweit ich mitbekommen habe, ist deren Rugbymannschaft eine der besten in der aktuellen Spielsaison und spielt mit um die Meisterschaft. Ich hangele mich mit dem GPS durch Springbok, an der ersten Tankstelle wird die Diät der Dicken beendet und ich frage mich nach der nächsten Bank mit Geldautomaten (ATM) und dem „Motorradladen“ durch.

Die Bank ist schnell gefunden, für den „Motorradladen“ brauche ich etwas länger. Letztendlich ist es kein Motorradladen, vielmehr ein An-& Verkauf von sämtlichen Gütern, die noch einen Wert haben. Der Schriftzug über dem Laden trifft es auf den Punkt:“We buy and sell anything of value“.

...meine Dicke verkauf ich nicht :-)

...meine Dicke verkauf ich nicht :-)

Aber Waffeleisen, Wäschetrockner, Lockenwickler, Porzellantassen, Kuscheltiere, Teeservice, etc. können wir nicht brauchen. Wir haben aber Glück, der Laden hat auch einen Kettentrenner und so sind schnell zwei Glieder aus der Kette entfernt und die Dicke wieder fit.

Wir fädeln uns wieder auf die Nationalstrasse N7 ein und knistern gen Süden.

Inzwischen haben die dunklen Wolken zugenommen. Kurz nach Kamieskroon stehen die Regenwolken zur Linken und Rechten Spalier und wir fahren, wie die Hauptakteure in einem Theaterstück auf der Bühne, auf einem sonnenbeleuchteten Asphaltband mitten hindurch.

Kurz bevor wir von den Regenwolken erreicht zu werden drohen, macht die N7 einen Schwenk und führt uns zurück in die trockene Zone. Das geht die ersten Paar Male auch richtig gut, aber dann ist es soweit. Ohne eigentliche Vorwarnung blitzt und donnert es bei strahlendem Sonnenschein und schüttet aus Eimern….Super!

Also schnell angehalten, die Regenpelle rausgekramt und ein Stück Schoki in den Mund gesteckt. Einen Vorteil hat Sonne + Regen = Regenbogen.

Da der Himmel scheinbar plant noch weitere solche Ausbrüche auszuspielen, ist der nächste größere Ort definitiv das Nachtlager für heute. Es ist noch hell, aber schon kurz nach 1600 und ich bin müde.

Begleitet von einem kräftigen Regenbogen schwingen wir uns den herrlichen Pass nach Garies runter. Die Straße hat viele Kurven und kitzelt noch mal das Adrenalin aus den kalten Zehenspitzen.

JA, dafür bin ich diesen weiten Weg gefahren….KURVEN!

Fast wie in Trance lasse ich mich tragen, der Asphalt ist gut, fast vergessen die Strapazen der letzten Tage durch den Süden von Namibia. Die nächste Ausfahrt führt nach Garies. In der „Stadt“ angekommen tanke ich die Dicke auf und begebe mich auf Schlafplatzsuche. Der Tipp vom Tankwart sagt mir nicht zu, für das Zelt wird es zu kalt werden, die Frostnächte von Botswana und Namibia haben mir gereicht.

Garies besteht jedoch nur aus einer Hauptstrasse und einigen Stichstrassen, hat zwei Tankstellen, einen Supermarkt, ein Hotel, einige Bed & Breakfast…und ein Steakhouse ;-)

Als ich die Dicke die Hauptstasse hinunterlenke fällt mir ein Pärchen auf, der Mann fixiert nicht mich, er fixiert mein Bike. Mal sehen ob die beiden vielleicht einen Tipp für mich haben.

Wir kommen ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass er davon träumt mal eine Royal Enfield besitzen und fahren zu dürfen. Ein Fan! Die beiden sind selbst mit dem Motorrad Richtung Norden unterwegs und haben in „Sophia’s Guest House“ eingecheckt. Das machen ich dann auch, schließlich gibt es doch sicher einige Informationen zu tauschen ;-)

Sophia’s Guest House ist ein Traum, das erste und damit älteste Hotel im Ort (auch das einzige ;-) und hat 22 Zimmer, die sämtlich unterschiedlich eingerichtet sind. Es sind die vielen kleinen und verspielten Details, die dieses Guesthouse so besonders machen. Ich komme mit der einen Tochter der Besitzerin ins Gespräch.

ein kleines Farbenparadies...

ein kleines Farbenparadies... und erst innen ;-)

Ich solle doch gern abends einfach zu einer geselligen Runde mit der Nachbarin, der zweiten Schwester und der Cousine dazukommen, wieso eigentlich nicht ?

Bevor ich mich jedoch in die Fänge von vier älteren Frauen begebe und dabei auch noch diverse Mengen Alkohol zu mir nehme, brauche ich noch eine ausreichende Grundlage, da war doch am Anfang der Dorfstrasse dieses Steakhouse…

Ich treffe das Pärchen wieder, die ebenfalls das Steakhouse besuchen um ihren Hunger zu stillen. Er fährt sie kurz über die Grenze, damit sie ihr Visum um drei weitere Monate verlängern kann. Sie macht gerade Ihre Doktorarbeit in Kapstadt und er arbeitet bei der Stadt als Angestellter. Sie sind mit einer neuen Kawasaki KLR unterwegs.

Rumpsteak !

Auf dem Weg zurück zum Guesthouse erwerbe ich noch etwas „Währung“ für den weiteren Abend. Bewaffnet mit zwei Flaschen Shiraz und zwei Tüten Chips geselle ich mich zur Runde der vier Damen.

Natürlich muss ich erzählen, warum Mann mit einem so alten Motorrad, einem so spartanischen Sattel (macht Knackpopo  J) eine so lange Reise unternimmt und was die Freundin dazu zu sagen hat.

Ich erfahre, dass die jüngere Schwester ein Geschäft in Johannesburg hatte und das dortige Businessleben mit den entsprechenden Sicherheitsproblemen satt hatte. Mit Ihrem Mann ist sie daher in ihren Geburtsort Garies zurück gezogen und übernimmt das Guesthouse von ihrer Mutter.

Die ältere Schwester ist im Filmbusiness tätig, zieht den Rotwein wie Milch weg und macht mich mit ihrer rauchigen Stimme und den derben Witzen doch etwas ängstlich. Dagegen ist die Nachbarin echt harmlos, sie ist verheiratet mit einem amerikanischen Truckfahrer und sieht ihren Mann nur wenige Tage im Jahr…geht so was überhaupt ?

Als Einzige bleibt die Cousine der Schwestern nüchtern, sie will morgen zusammen mit den Schwestern nach Springbok einkaufen fahren und muss als Fahrerin daher nüchtern bleiben. Erst gegen 0200 geht uns der Gesprächs- und Trinkstoff aus, Zeit für die Falle… Nacht !

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