• 25.06.2010

Mit Eliet bin ich zum Frühstück im „ABBA-Hotel“ verabredet, wir treffen uns um 0930 im Restaurant.

Leider haben wir immer noch keinen Blick auf den Klilimanjaro erhaschen können, auch am Morgen hängen die Wolken tief. Schon beim duschen war ich auf den Regenschauer aufmerksam geworden…. mit Regenpelle wollte ich den Tag eigentlich nicht starten müssen.

Zu „Take a chance on me“ bestelle ich mein Omelette und als die Musikanlage die Wiederholung von „The winner takes it all“ schmettert fülle ich mir den Kaffee noch mal nach, denn der Service scheint am einem Sonntag auch frei zu haben.

Als „ Knowing me, knowing you“ erschallt, bekomme ich mein LACHEN wieder und bin ernsthaft am überlegen, afrikanische Grüße nach Deutschland schicken zu wollen, aber der Dörp-Sunnyboy lässt das mangels Internetverbindung bleiben. ABBA und Afrika liegen so was von auseinander…

Mit Eliet ist beschlossen heute auf meinem Weg Richtung Dar-Es-Salam noch seine von ihm geleitete Schule zu besuchen. Wir haben die Gesprächsthemen von gestern Abend wieder aufgegriffen und bedauern beide, dass wir nicht in seinem Auto zusammen sitzen und weiter diskutieren können, sondern ich ja die Dicke bewegen muss.

Wir brechen etwas verspätet auf, denn die Dicke spielt wieder beleidigte Leberwurst will gestreichelt werden und mal wieder die Zündkerze geputzt bekommen….boah. Immerhin hab ich inzwischen dazugelernt (ja, das geht wirklich) und hab das Gepäck noch nicht verstaut. Also schnell den 21er Schlüssel raus, Kerze raus, geputzt, warm gemacht, reingedreht….Wumms, der erste Kick sitzt, diesmal auch ohne Fehlzündung.

Ich fahre die Dicke und mich brav hinter Eliet hinterher, wir verlassen gemeinsam Moshi und fahren im „Konvoi“ ca. 45 km zusammen. Zwischendurch geht mir die Dicke einfach zwei Mal aus, während der Fahrt bekommt sie scheinbar keinen Sprit mehr, aber Tank ist noch relativ voll.

Hmmm, ganz neue Macken, kenne ich noch gar nicht. Bin ja mal gespannt was das nun wieder ist. Eliet muss auftanken, ich nehme die Chance war und fülle die Dicke auch auf, dabei erklärt er mir, in seinem Schulort kenne er auch eine Motorradwerkstatt, da können wir gern mal anhalten und nachfragen.

Na gut, wieso eigentlich nicht, dazulernen ist ja immer sinnvoll.

Als wir dann in Mawanga ankommen geht es auch erst zum Schrauber. Kurze Erklärung meiner festgestellten Symptome an der Dicken und das Zündung stimmt und Benzin kommt, es irgendwie am Vergaser liegen muss. Die Jungs schrauben den Vergaser ab, und siehe da, der ist soweit funktionsfähig und in Ordnung. Als dann der Topf der Schwimmerkammer abgeschraubt wird, kommt die Malaise zum Vorschein.

Jede Menge Wasser hat sich in der Schwimmerkammer unten angesammelt, inzwischen so viel, dass der Schwimmer seine Regulierungstätigkeit wahrscheinlich nicht mehr richtig ausüben kann, und somit die Spritzufihr zwar vom Tank über den Filter funktionieren mag, aber nicht mehr die Dosierung im Vergaser selbst.

Ok, wieder was dazu gelernt.

Ja, Jörg, ich weiss, die Qualität des Sprits in Afrika ist bekannt für die Panscherei mit Wasser, aber das Problem hab ich eher beim Diesel und den Papierfiltern gesehen, aber beim Benzin…Freudscher Aussetzer von mir. Zum Schluss dann noch ein Gruppenfoto :-)

Na kurzem Plausch und einigen witzigen Wortwechseln machen wir uns auf den Weg zu Eliets Schule. Eine Prachtschule !

Eliets Schule in Mawanga
Eliets Schule in Mawanga

Diese Schule hat seit 1996 Unterstützung durch die Partnerschaft zur Humboldschule. Eliet ist dort 1995 als einfacher Lehrer angefangen, aber schon 1996 wurde er dort Schulleiter.

Angefangen ist er mit einem Schulgebäude, inzwischen sind es über 10 Gebäude, eine Turnhalle, Unterkunftsmöglichkeiten für Mädchen und Jungen als Internat, einem Computerraum mit Internetanschluss, einer Highschool mit neuem Gebäude…ein Traum. Gerade werden die nächsten drei Fachräume fertig gestellt, dann verfügt die Schule endlich auch über Chemie-, Bio und Physiklabor und ist damit vollständig.

Die neuen Räume für Bio, Physik und Chemie sind gerade im Bau

Die neuen Räume für Bio, Physik und Chemie sind gerade im Bau

Der Stolz über das erreichte ist Eliet anzusehen und mit Recht, es hat 14 Jahre gedauert eine vollwertige Schule zu erreichen und gleichzeitig hat er sich parallel engagiert, auch an anderen Schulen den Ausbau zu organisieren.

Respekt, ich ziehe den Hut über so viel Engagement.

Im Computerraum ist eine kleine Gruppe von Schülern versammelt, dessen Zuhause sehr weit entfernt ist. Zu weit, um für die 14 Tage Schulferien nach Hause zu fahren. Also bilden sie sich weiter und ihr Lehrer ist gern bereit auch am Wochenende Ihnen zu Zugang zur Welt zu ermöglichen.

Eliet bittet mich etwas über meinen Job, Werbung im Internet, ReTargeting und Profiling zu erzählen. Ich belasse es bei den Grundlagen, merke aber, so ganz unwissend sind die Jungs auch wieder nicht, dank Google. Adsense ist inzwischen auch in Tansania ein Thema.

Nach einer Stunde muss ich aber los, leider, aber zu einem kleinen Gruppenfoto stellen wir uns bei der Dicken noch mal zusammen. Ich bin mir sicher Eliet, wir sehen und noch mal wieder, schließlich will ich noch mal Elefanten sehen, entweder auf der kenianischen oder der tansanischen Seite des Kilimanjaro, so viel steht schon mal fest. Und da kenn eich noch eine Person, die unbedingt Elofanten sehen muss ;-)

Mit gereinigtem Vergaser trägt mich die Dicke jetzt wieder Richtung Dar, über Same geht es Richtung Mombo, wo ich eigentlich schon Rast für die Nacht machen wollte. Aber das Motel gefällt mir nicht, ich kann dort kein Zelt aufstellen und mein GPS gibt noch eine weitere Campsite 40km weiter Richtung Dar an.

Was ich heute noch schaffen kann, dass muss ich Morgen nicht mehr machen. Doch die Green Hill Campsite ist leider geschlossen, die Sonne ist maximal noch ne Stunde am Himmel. Doch zurückfahren ist für mich keine Option.

Green Hill, leider geschlossen ;-(

Green Hill, leider geschlossen ;-(

Die Dicke trägt mich durch die Kurven, Anstiege und Miniserpentinen rund um Korogwe und wir beschließen noch ein wenig weiter zu reiten. Der Asphalt ist gut, fast keine Pottholes und nur keine 24 km bis nach Serega, dass ist doch ein Klaxx.

Pünktlich um 1900 schlagen wir an der Kreuzung in Serega auf, die Campsite ist ok, aber das Zimmer unschlagbar günstig und mit eigenem Fernseher ausgestattet. Strike ! Da kann ich verschmerzen, dass die Dusche kalt und nur mit dem Becher von handgeschöpft zu genießen ist, egal, Hauptdache ich kann die Akkus vom Laptop, Navi und Handy aufladen und nebenbei noch etwas Fussi gucken.

Fussi gucken geht leider erst mal nicht, denn der Antennenstecker der beiden aus der Wand ragenden Antennenkabel fehlt schlichtweg. Ein sehr afrikanisches Problem, Fernseher gibt es öfters als gedacht, aber scheinbar gibt es Liebhaber für Antennenstecker., die fehlen fast immer.

Also das Messer gezückt, Kabel abgesetzt, die Schirmung zur Wirst gezwirbelt, den Leiterdraht freigelegt, neu gebogen und das Ganze mit etwas Gefühl in die Buchse manövriert. Etwas Kaugummipapier um den Hauptleiter als Isolierung gewickelt und dann die Masse der Schirmung auf die Buchsenummantelung geklemmt, geht doch. Jetzt noch etwas Fummelei mit dem Menü, das erst Mal irgendwie auf englisch eingestellt bekommen und den Suchlauf aktiviert…Voilá !

McGyver muss ja für irgendwas gut gewesen sein ;-)

Ich genieße noch einen Happen im Restaurant, Chickenreis für knappe 4 Euro inklusive Cola und dann tippe ich munter auf dem Lappi rum, plane die Route für Morgen. Die Überlegung war eigentlich über Tanga nach Pemba Island mit dem Schiff rüber zu setzen und dann nach einem Tag Rast weiter nach Sansibar zu fahren.

Aber ein Freund von Eliet arbeitet zufälligerweise im Hafen von Tanga und hat morgens schon am Telefon bestätigt, dass die Fähre aktuell nicht fährt, nur ein Personentransport mit einem Ersatzboot möglich sei.

Also dann doch direktamente nach Dar-Es-Salam, Luftlinie sind das nur 200km aber auf der Strasse immerhin noch gute 300km, dann noch durch die Stadt und mit der Fähre über den Hafen auf die andere Seite der Stadt. Das dürften dann doch gute 5 Stunden Fahrzeit werden, wenn kein Stau ist. Zansibar mache ich dann doch noch mal von meiner Zeitplanung abhängig, die Insel läuft mit nicht weg.

Ich hänge noch das Moskitonetz auf, schraube dafür einige Holzhaken in Fenster, Bettgestell, Schrank und Türrahmen und schlafe zufrieden ein.

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2 Reaktionen zu “105.Tag:”ABBA-Hotel” und Schulprojekt in Mawanga”

  1. Isabel says:

    Da kommt wieder die norddeutsche Grammatik durch:
    Angefangen ist er mit einem Schulgebäude….
    :-)
    tausche IST gegen HAT

  2. hkempfert says:

    …dann kannst Du Dich ja schon mal daran gewöhnen ;-)

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